Alte Märchen eignen sich ganz prima, um "Botschaften" einen netten Rahmen zu geben. Ein
solches altes Märchen möchte ich Ihnen nachstehend erzählen.
Es war einmal, vor sehr langer Zeit, da hatten die Götter zu entscheiden, wo sie die
grösste Kraft des Universums verstecken sollten, damit der Mensch diese nicht finden könne,
bevor er nicht reif sei, mit dieser Kraft verantwortungsbewusst umzugehen.
Einer der Götter schlug vor, die grösste Kraft des Universums auf der Spitze des höchsten
Berges zu verstecken. Doch die Götter erkannten, dass der Mensch den höchsten Berg
ersteigen würde, noch bevor er so weit wäre, die gefundene grösste Kraft des Universums
verantwortungsbewusst einzusetzen.
Ein anderer Gott befand, dass es eine gute Idee sei, die Kraft auf dem Grund des Meeres zu
verstecken. Aber wieder erkannten die Götter alsbald, dass der Mensch auch diese Region
erforschen und die grösste Kraft des Universums finden würde, bevor er dazu reif sei.
Es folgten viele weitere Vorschläge, die alle wieder verworfen wurden, denn die Götter
waren sicher, dass der Mensch die Verstecke fände, bevor er dafür bereit wäre.
Schliesslich sprach der weiseste aller Götter:
»Ich weiss, was zu tun ist. Lasst uns die grösste Kraft des Universums im Menschen selbst
verstecken. Er wird niemals dort danach suchen, bevor er reif genug ist, den Weg nach Innen
zu gehen.«
Die Götter befanden diesen Vorschlag für den besten und so versteckten sie die grösste
Kraft des Universums im Menschen selbst.
Und so tragen die Menschen die grösste Kraft des Universums in sich - ohne es zu wissen.
Doch manchmal gibt es einen Menschen, der die grösste Kraft des Universums entdeckt und
weise von ihr Gebrauch machen kann, weil er den Weg in seine innere Welt beschritten
hatte.
Über die Schattenseiten
Mit gesenkten Blick
setzte sich die junge Frau neben den weisen Mann auf einen Stein. Zögernd begann sie zu
erzählen: “Ich werde manchmal sehr wütend. Kleinigkeiten versetzen mich dann regelrecht in
Rage. Ich schäme mich dafür. Wie kann ich mich verändern?“
Der große Meister und Heiler nahm sie väterlich bei der Hand und führte sie abermals in den
Wald zu dem prachtvollen Schloss. Siri durfte alle Räume besichtigen. Sie war sichtlich
beeindruckt von den wertvollen Gemälden, edlen Teppichen und Ziergegenständen aus purem
Gold. Das Schloss übertraf all ihre Vorstellungen von Schönheit und Anmut.
Dann jedoch führte sie der weise Mann zu
einem entlegenen Kämmerchen. Der ganze Raum war düster und strahlte etwas Bedrohliches aus.
Ein unangenehmer Geruch stieg ihr in die Nase. “Da liegt deine Wut”, erklärte der Meister.
"Dieses Zimmer gehört auch zum Schloss."